Der Dorftrutz

Heute versammelten sich die ehemaligen Dorfbewohner von Borschemich, um die alte Dorflinde zu fällen. Nach der Kirche und dem Haus Paland verschwindet damit das letzte Wahrzeichen des Dorfes, dessen Einwohner gegen ihren Willen dem Braunkohletagebau weichen mussten. Die Linde hatte 329 Jahre lang Kriege und schwere Zeiten überdauert und sollte nun nicht durch fremde Hände fallen. Nach der gemeinschaftlichen Veranstaltung konnten die Teilnehmer Erinnerungen oder ein Stück Holz mitnehmen.

Vor der Fällung wurde (leicht abgewandelt) aus der Festschrift (1966) des Musikvereins Borschemich ein Gedicht vorgetragen und alle Anwesenden sangen gemeinsam das Lied “Am Brunnen vor dem Tore, da stand ein Lindenbaum”

“Noch immer grüßt vom trauten Platz im Dorf,
der wunderliche Schatz, die alte knorrige Linde.
Und wieget leise ihr mächtig Haupt,
und wer nicht an ihr Alter glaubt,
der schau die Runen ihrer Rinde.
Sie trägt den alten Faltenrock
und immer jugentliches Blattgelock
im Zauber der Frühlingssäfte.”

Aber mancher Zahn der Zeit nagte an ihr.
Einige hundert Jahre brauste der Sturm.
Oftmals wurde sie beschnitten,
aber sie steht noch fest verwurzelt im Heimatboden!
Die Linde steht wie eh und je! Noch!!!!

Doch des Dorfes Wahrzeichen
durchziehen trutzige Kräfte –
Drum Vorsicht!
Wenn die Linde nun fallen muss.
dann in Gottes Namen! -Amen-

So soll es geschehen!